Ein Besuch in der Heimat - Venustus Sobat

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Ein Besuch in der Heimat - Venustus Sobat

Beitrag von Storyteller am Do Mai 25, 2017 5:11 pm

Rollenspielstart

Endlich einmal wieder im Geburtsort.
Wie lange der letzte Besuch nun wieder her war konnte Venustus Sobar, nun 35 Jahre alt, schon gar nicht mehr sagen.
Auf jeden Fall zu lange, denn er wurde bereits erwartet.
"Da ist er! Da ist mein großer Junge nun endlich wieder!" rief eine wohlvertraute Stimme, als er am bekanntesten Treffpunkt er Ortschaft ankam.
Es handelte sich hierbei um das Wahrzeichen der Stadt, dem alten Brunnen, der eigentlich nur mehr als Dekoration diente.
"Hallo, Vater!", erwiderte Venustus den Empfang voller Freude, als er seinen alten Herren endlich wieder sah.
Mothusi, sein treuer Wallach, hielt brav still, als sein Reiter abstieg, um den bereits weißhaarigen Mann zu empfangen, der ihm trotz all der Falten noch sehr ähnlich sah.
Die Verwandtschaft konnte man auf jeden Fall nicht leugnen.
Liebevoll nahm Amistos Sobat seinen Sohn in die Arme.
"Lange nicht mehr gesehen, Vater. Wie geht es dir?", wollte der schwarzhaarige Gardist schließlich wissen.
"Mehr geht es gut. Das Alter konnte mir bis jetzt noch nichts anhaben. Aber warte nur, bis deine Schwester beschließt, dass es Zeit für mich wird, Großvater zu werden.", antwortete der ältere der beiden Männer und nahm seinem Sohn die Zügel ab, um das Pferd neben sich herzuführen, als sich beide in Bewegung setzen.
„Glaubst du, dass genau das der Grund ist, weshalb Prema diese Familienfeier organisiert hat?“, wollte Venustus nun voller Neugierde wissen.
„Kann sein, muss aber nicht. Bogat hat bis heute nichts erwähnt.“
„Wieso überrascht mich das nicht? Die ganze Familie Karobari legt großen Wert auf ihre Geheimnisse.“
Der Gardist schüttelte den Kopf und wich den Lacken aus, die sich auf der Straße angesammelt hatten.
Amistos lachte auf: „Du vergisst, dass deine Schwester nun selbst eine Karobari ist.“
„Sie scheint sich bei ihnen angesteckt zu haben.“, erwiderte Venustus und verdrehte die Augen.
„Nimm es ihr nicht übel. Sie hat genauso ihren eigenen Kopf wie du.“
Der alt gewordene Vater klopfte seinem Sohn dabei aufmunternd auf die Schultern.
„Du weißt genau, dass ich meiner Schwester eigentlich gar nichts wirklich übelnehmen kann.“
„Das weiß ich wirklich… aber komm. Wir beeilen uns besser. Das Essen wird wohl nicht wärmer, bis wir kommen.“
Da konnte der Jüngere der beiden nichts dagegen sagen und so beschleunigten Vater und Sohn ihre Schritte, um bald bei Prema und Bogat Karobari anzukommen, die beide bereits ungeduldig warteten.
Davor brachten sie das Pferd aber noch in den örtlichen Stall, wo er gut versorgt war.
Dann, ein paar Straßen weiter, klopften die beiden Männer an der und wurden von einer dreißigjährige Frau eingelassen.
„Tus, mein Bruderherz, komm nur herein. Ich finde es ja so schön, dass du dir für mich die Zeit nehmen konntest. Wie geht es dir in Ukuta?“
„Alles bestens. Ich bin dort in guter Gesellschaft, hab eine spannende Arbeit, ein kleines Eigenheim…“, zählte Venustus daraufhin auf, wurde aber von seinem Schwager unterbrochen: „Aber noch immer keine Frau. Wird das nicht langsam Zeit?“
Bogat stand inzwischen im Türrahmen zum Vorraum.
„Wieso bestehst du so sehr darauf?“, wollte der Gardist nun wissen.
Sein Schwager strich sich das blonde Haar aus der Stirn und machte ihm Platz, damit er und sein Vater sich ins Esszimmer setzen konnten.
Eine Antwort gab es nicht.
Venustus ging an ihm vorbei und bekam bei Tisch die Antwort: „Würde dir nicht schaden. Du lebst für deine Arbeit.“
Sein Konter: „Und die Sicherheit anderer Menschen in Ukuta. Was ist daran denn so schlimm?“
Prema mischte sich ein: „Jungs, benehmt euch. Sonst müsst ihr beide verhungern und ich versorge nur die Älteren.“
Daraufhin wurden beide freundlichen zankenden Männer still und warteten auf das gute Essen, dass ihnen bereits versprochen worden war.
Das Entscheidende, worauf Vesustus aber eigentlich wirklich wartete, kam erst zum dritten Gang.
Die Familie saß zu diesem Zeitpunkt über dem Apfelkuchen und kauten genüsslich, als Prema schließlich aufstand und eröffnete: „Ich hoffe es hat euch allen geschmeckt… jetzt habe ich aber quasi noch etwas viel Besseres als diesen Kuchen für euch… Ich….“, sie hielt inne und alle, inklusive ihrem Ehemann sahen sie an.
Sie spielte kurz mit den Fingern und erklärte dann: „Ich bin schwanger...“
Irgendwie waren Bogat und seine Familie überraschter als Venustus und sein Vater.
Premas Gatte jedoch schien total verblüfft zu sein: „Wirklich? Seit wann? Wieso weiß ich davon nichts? Wieso hast du mir das nicht gesagt?“
„Ich wollte es euch allen zugleich sagen.“, erklärte die junge Frau sachlich, nahm dabei aber einen leichten rosa Farbton an.
Einen kurzen Augenblick sahen dann alle auf Bogat, der nach Worten suchte.
Dann, nach einer Weile, schien er sein Glück zu fassen bekommen zu haben:, denn er sprang auf und rief: „Ich werde Vater!“
Die übrigen Anwesenden jubilierten und applaudierten eifrig mit, was bei Prema ein gutes Gefühl hinterließ.
Sie hatte auf diese Art und Weise doch niemanden enttäuscht.
Dieser Abend war damit für alle unvergesslich geworden und dauerte noch bis zur späten Abendstunde an.
Für Venustus hatte sich der Ausflug wirklich mehr als nur gelohnt.
Schließlich wusste er jetzt auch, dass er Onkel wurde… und sein Vater endgültig alt.

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Re: Ein Besuch in der Heimat - Venustus Sobat

Beitrag von Storyteller am Di Aug 22, 2017 7:05 am

Wenn man schon 35 Jahre alt war und dann auch noch ein Mitglied der "Alten Garde" war, fühlte man sich eigentlich schon von Natur aus alt und das, obwohl man noch zu den Jüngeren gehörte.
Und trotzdem merkte er am Tag nach der Familienfeier sehr deutlich, dass Party-machen als Teenager einfacher und lustiger gewesen war.
Vor allem der Kater, den er nun hatte, hatte sich gewaschen.
Wie hatte er das früher einmal bloß gut finden können?
Früher hatte es ihn niemals an was gehindert.
Jetzt aber fühlte er sich wie ein Opa, der in Pension gegangen war und die meiste Zeit im Bett verbrachte.
Aktuell musste sich Venustus zwar mit den Sofa begnügen, aber das auch nur deshalb, weil eine Heimreise geplant aber sinnlos geworden war.
So munter, wie der Gardist jedoch gedacht hatte, dass er es war, war er partout nicht.
Denn jetzt spürte er ein Rütteln an seiner Schulter und vernahm eine vertraute, weibliche Stimme: "Tus, komm, wach auf. Ich wusste gar nicht, dass du so eine Schlafmütze bist."
Er brauchte noch einmal eine Weile bis er überriss, dass seine Schwester, Prema, versuchte ihn aufzuwecken.
"Bin schon wach, bin schon wach.", murrte der Verkaterte und erhob sich mühsam.
Das Kichern der jüngeren Frau entging ihm aber trotzdem nicht, während sie vom Sofa weg ging um ihren Vater zu wecken, der noch bei Tisch eingeschlafen war.
Auch seine Reaktion ähnelte er von Venustus, nur war Amistos eben bedeutend älter als sein Sohn.
Und doch konnten die beiden an diesem späten Morgen nicht leugnen, dass sie verwandt waren.

Gerade erst hatte es die Familie geschafft, gemeinsam an den Frühstückstisch zu finden, als es plötzlich an der Türe klopfte.
"Ich komme!", rief Prema, die als einzige eigentlich wirklich gut gelaunt und ausgeruht war.
Venustus hätte gerade alles dafür getan um herauszufinden, warum sie so fit war, obwohl sie maximal fünf Stunden geschlafen hatten, war ihm ein Rätsel.
Das Klopfen wurde ungeduldiger und die Türglocke wurde gezogen, noch während die Dame des Hauses überhaupt in die Nähe der Türe kam.
Kaum jedoch öffnete Prema Karobari dann die Türe, verstummte das fast schon hysterische Läuten schlagartig und eine weibliche Stimme rief: "Meine Beste, endlich machst du auf!"
Auch diese zeugte von einer gut ausgeruhten, fröhlichen Dame.
'Vielleicht hat das was mit dem Geschlecht zu tun und Frauen stecken das Feiern besser weg...', schoss überlegte sich der Gardist missmutig, weil müde.
Trotz allem setzte er sein freundlichstes Lächeln auf, als seine Schwester mit dem neuem Gast ankam.
Dieser grüßte sofort beim Betreten des Esszimmers: "Mahlzeit!", ehe die Bemerkung viel: "Oh, es wird erst gefrühstückt?"
Auf das wollte keiner so wirklich eingehen, doch das musste keiner, denn die Dame, die dazu gestoßen war fand schon wieder einen Grund, um den Mund aufzumachen: "Ist das dein guter Kirschkuchen? Darf ich mir ein Stück nehmen? Prema, deine Kuchen sind immer fantastisch!"
"Nur zu.", bekam sie die Erlaubnis, bevor sich die Besucherin gleich bediente.
Mit schief gelegtem Kopf und in falten gelegte Stirn begutachtete Venustus diese nun.
Ihr langes, grünes Kleid war aus Seide, was darauf hinwies, dass sie gut betucht war, ihre Sturmfrisur wiederum schien das zu widerlegen.
Das braune, geschneckte Haar viel ihr über die Schulter vor und langte bis runter ans Becken.
Die Dame erwies sich aus als unnötig schlank und fast schon käseweiß.
Viel nach draußen konnte sie also nicht kommen.
"Meine Lieben, das ist meine beste Freundin, Gana Vorona. Gana, die Anwesenden hier sind meine Familie.", übernahm Prema schließlich die Bekanntmachung, was ihr ein grüßendes Gemurmel einbrachte.
Die beiden Freundinnen unterhielten sich dann kichernd, während Venustus dem ganzen nur bedingt zuhörte.
Er war einfach zu müde dafür.
Erst als seine Schwester zum Tisch gelaufen kam und verkündete: "Stellt euch vor, Gana hat uns Karten für die Eröffnung der Ausstellung im historischen Museums in Ukuta geschenkt!", wurde er hellhörig.
'Vorona, Vorona..... Vorona? Das ist doch diese neureiche Familie, in in ganz Mesjeta ihre Anwesen verteilt hat. Woher kennt meine Schwester...', überlegte er nun krampfhaft, doch er konnte seine Gedanken nicht zu Ende denken, weil schon wieder geredet wurde.
"Natürlich kommen wir alle. Diese Einladung wird sich niemand entgehen lassen! Es finden sicher alle Familienmitglieder Zeit!", war es wieder seine Schwester, die für alle sprach.
Für Wiederworte war es zu spät, denn nur wenige Sekunden später verabschiedete sich ihre beste Freundin und verschwand, die Eintrittkarten zurücklassend.
Und erst als als die Türe wieder ins Schloss gefallen war, fragte Bogat: "ist das dein erster Schritt, uns in die vornehme Gesellschaft einzugliedern?"
"Vielleicht.", antwortete seine Frau lächelnd und widmete sich wieder gut gelaunt dem Frühstück.
Niemand traute sich einwende zu erheben.
Nur für Venustus war eines klar: Er brauchte ganz dringend Urlaub.
Schon wieder.

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