Die Zeit ist reif - Phula Kamshi

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Die Zeit ist reif - Phula Kamshi

Beitrag von Storyteller am So Jun 18, 2017 7:12 pm

Rollenspielstart

Mittagszeit herrschte in der Stadt, in der die Geschwister Kamshi, bestehend aus Cangal, Matamis, Palam, Listya und Phula, beheimatet waren.
Die fünf Kinder waren als Waisen nach Kapua Hiero gebracht worden, nachdem ihre Eltern an einer seltenen Krankheit gestorben waren, die niemand heilen hatte können.
Ihre Pflegemutter war Schwester Keara geworden, eine Priesterin es Ordens der Furidamu.
In ganz Kapua Hiero lebten ausschließlich Mitglieder dieses Ordens, da es sich um deren Tempelstadt, sprich, deren Hauptsitz, handelte.
Die derzeitige Führungskraft war der Hohepriester Khotso Naitarama und stellte damit ein Regierungsmitglied dar.
Demnach war es nicht weiter überraschend, dass die Geschwister Kamshi bereit in jungen Jahren als Novizen akzeptiert wurden und mit ihrer Volljährigkeit die Priesterschaft antraten.
Und genau in diesem Alter war inzwischen auch die Jüngste, nämlich Phula.

"Ich glaub, ich kann das nicht.", stellte das noch Mädchen vor dem Spiegel stehend fest und zupfte ihren Kimono zurecht.
"Doch, das kannst du.", meinte Listya daraufhin und nahm ihre Hand, "Du wirst das genauso gut machen wie wir alle vor dir! Du bist eine Kamshi und wir waren bisher immer perfekt. Egal, was wir angefangen haben."
Die Noch-Novizin seufzte: "Das sagst du so leicht. Du hast es schon hinter dir. Was ist, wenn ich mich blamiere? Dann blamiere ich uns alle."
Ihre Schwester lächelte: "Schenke deinem Kopf die Freiheit, die er braucht, liebste Schwester. Wenn du ihn frei sein lässt, wie es seine Bestimmung ist, wird sich alles von selbst klären. Du weißt, was Keara immer sagst, wenn es um etwas Wichtiges geht."
"Du bist nicht du, wenn du versuchst, alles nur durch denken zu lösen.", zitierte Phula daraufhin, widersprach dem aber auch sofort: "Aber zum Schluss muss doch ich entscheiden, was sich tue oder sage. Zu schnell den Mund aufmachen war auch noch nie gut."
Listya stieß einen Pfiff aus.
"Du bist nur halb so schlimm wie Matamis. Der nimmt das immer viel zu wörtlich. Der macht den Mund zu schnell auf. Vergleich dich nicht mit ihm."
Dafür kassierte sie einen Stoß mit dem Ellbogen von ihrer kleinen Schwester.
"Hast du dafür auch denken müssen?", fragte sie amüsiert, sich die Seite reibend.
"Ich habe mehr Freiraum gebraucht und mein Ellbogen hat sich die Freiheit genommen, ihn sich zu holen.", scherzte die Novizin und kämmte sich erneut die Haare, nachdem sie sich dem sanften Griff von Lystya entzogen hatten.
"Genug jetzt, Phula, du hast es eilig. Du willst Khotso doch nicht warten lassen."
"Hohepriester Naitarama wird sich wohl gedulden müssen, wenn er will, dass ich nicht mit butterweichen Knien meine Zeremonie bestreite..."
"Wir feiern das, du Schwarzseherin. Das sieht dir gar nicht ähnlich!"
"Ich bin Realist, das ist was anderes.", beharrte Phula.
"Und Realität ist, dass du heute zur Erwachsenen und Priesterin ernannt wirst. Also komm jetzt!"
Listya nahm ihrer Schwester den Kamm weg und zog sie hinaus aus dem Ankleidezimmer Richtung Festsaal, wo sich die breite Masse versammelt hatte.
Die Hoheprieser waren alle bereits anwesend, so auch die halbe Priesterschaft.
Keara, Cagal, Matamis und Palam wareten schon darauf, dass die beiden Teilnehmer der Zeremonie auftauchten.
Und dann war es endlich soweit.

Es wurde vollkommen ruhig im Saal, als sich Listya auf den letzten freien Poster kniete und gespannt zu Hohepriester Khotso Naitarama sah, der auf einem Podest kniete und lächelnd sprach: "Novizin Phula Kamshi, tritt näher, meine Schülerin."
Mit klopfendem Herzen trat die Angesprochene näher und verneigte sich vor dem Oberhaupt des Ordens.
"Als unserer aller Ordensschwester dürfen wir heute den Tag feiern, an dem du das Kokon deiner Kindheit verlässt und als Schmetterling und freier Geist unsere Welt breicherst. Bist du bereit, diesen große Schritt mit uns gemeinsam zu machen?"
Die junge Frau schluckte kaum hörbar, straffte dann aber die Schultern und sah den Hohepriester entschlossen an.
"Ja, das bin ich."
Mit diesen Worten erhob sich die Gesellschaft und stimmte ein sehr altes Lied an, das schon ihre Großeltern an diesem Ort gesungen hatten.
Leise sang die werdende Priesterin mit und spürte, dass endlich das Zittern in ihren Beinen aufhörte und sie ruhiger wurde.
Nur leider war Singen nicht ihre Stärke, deshalb war es mehr ein Summen, doch es störte keinen.
Nach dem Ende des Liedes wurden die Vorhänge des Saales zugezogen und Kerzen angezündet.
In dieser neue Stimmung würde auch der Rest des uralten Ritus vonstatten gehen, was bis Sonnenuntergang dauern würde.
Danach war sie nicht mehr Phula die Novizin sondern Priesterin Phula, ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft und damit stimmberechtigt in allen Lebenslagen.
Sie würde wie ihre Geschwister als Erwachsene auftreten und ihre Eltern stolz machen können.

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Die Zeit ist reif - Phula Kamshi

Beitrag von Storyteller am So Aug 06, 2017 11:44 am

Lange schon war die Sonne untergegangen und Phula Kamshi war nun eine Priesterin.
Das Dasein als Novizin war vorbei, es erwarteten sie nun neue Verpflichtungen, die sie in der Gesellschaft wahrzunehmen hatte.
Immerhin war sie eine Furidamu und damit für die Freiheit der Bevölkerung zuständig, wie alle aus ihrem Orden.
Doch heute kümmerte sich niemand mehr um Verpflichtungen.
Heute war ihr Tag und dieser wurde ausgiebig gefeiert.
So zog sich das Fest hin.
Doch der Tag war damit für die nun endlich erwachsene junge Frau noch nicht vorbei.

Gegen Mitternacht klopfte es plötzlich an der Türe, welche die Außenwelt von der fröhliches Veranstaltung trennte.
Kaum, dass einige Gäste dies vernommen hatten, informierten sie den Hohepriester Khotso Naitarama, welcher die Türe öffnete und nach dem Neuankömmling sah.
"Ich muss den Hohepriester sprechen!", erklärte eine aufgeregte Männerstimme und bekam zur Antwort: "Ich stehe von Ihnen."
"Oh... ehm... ja...", stammelte der gerade gekommene Bote hinter der Türe, sammelte sich dann und erklärte: "Meister Naitarama, eine Raksa ist soeben eingetroffen und möchte Euch sprechen."
Der Anführer der Furidamu wirkte überrascht, verließ jedoch nach ein paar entschuldigenden Worten an die übrigen Priester den Saal.
Die Feierlichkeiten ließen sich von diesem Event allerdings nicht stören und es wurde weiterhin getanzt und gelacht.
Niemand rechnete mit etwas Unangenehmen, denn es war nichts Ungewöhnliches, dass Mitglieder anderer Orden hier vorbei kamen.
Die Uhrzeit spielte für wichtige Themen niemals eine Rolle.

Die Zeit verstrich und langsam spürte Phula die Müdigkeit durch ihre Knochen kriechen.
Gerade wollte sie sich jedoch zurückziehen, als der Bote von zuletzt noch einmal den Saal betrat, dieses Mal ohne Klopfen und in den Saal rief: "Hohepriester Naitarama wünscht alle Mitglieder mit dem Familiennamen Kamshi in seine Kammer."
Die betroffenen Geschwister verharrten alle einige Sekunden im Raum, ehe sie alle gemeinsam zur Türe gingen, durch diese den Raum verließen und hinter sich die Pforte schlossen.
"Kommt nur!", forderte der Bote und eilte voraus, woraufhin auch die Geschwister Kamshi das Tempo erhöhten.
Palam fragte seine Familie: "Was meint ihr, was der Hohepriester von uns will. Geht es um die Raksa?"
"Um was denn sonst?", fragte Cangal mürrisch, da es ihm nicht gefiel, jetzt noch mit ernstes Themen konfrontiert zu werden.
Lieber hatte er die abgeschlossene Zeremonie seiner Schwester feiern wollen.

Cangal behielt Recht, denn als die Geschwister die Kammer des Hohepriesters betraten, kniete eine Frau, in den roten Farben der Raksa gekleidet, die eine gewisse Ähnlichkeit mit den Priestern aufwies.
Doch niemand sagte ein Wort, bis die Türe die Versammlung zu einem Privatgespräch machte.
"Meine Lieben Brüder und Schwestern, es tut mir Leid, dass ich euch so spät noch stören muss. Doch zu eben diesen Stunden ist eure Cousine, Kriegerin Himmata Meta, mit wichtigen Neuigkeiten zu uns gekommen.", erklärte das Oberhaupt der Furidamu nun sofort.
"Wir haben eine Cousine?", fragte Listya überrascht und frei heraus.
Matamis ergänzte: "Und obwohl wir verwandte haben, hat uns Schwester Keara groß gezogen?"
Verwunderung schwang in seiner Stimme mit.
"Ich verstehe eure Aufregung, meine Brüder und Schwestern. Lasst mich bitte erklären. Eure Eltern waren hochrangige Mitglieder unseres Ordens, mit Verwandtschaften am ganze Kontinent. Eure Eltern selbst haben gewünscht, dass ihr hier in Kapua Hiero groß werden solltet. Nun aber scheint es so, dass eure familiären Angelegenheiten ein Fall für die Raksa geworden ist. Aus diesem Grund wurde ein Familienmitglied mit einer ganz wichtigen Information betraut, die nun alle, die hier anwesend sind, etwas angeht. Sprecht bitte mit niemandem sonst darüber.", sprach der Hohepriester nun selbst.
Die Geschwister verstummten alle und Kriegerin Himmata Meta erhob sich.
"Liebe Familienmitglieder, es tut mir Leid, aber ich komme mit sehr beunruhigenden Nachrichten zu euch.", sprach sie ihre Cousins und Cousinen an, "Es geht um den Tod eurer Eltern...."
"Wir haben das hinter uns gelassen.", unterbrach Cangal, "Ich möchte nicht weiter damit konfrontiert werden. Wenn ihr mich entschuldigt."
Gerade wollte sich der Priester jedoch die Freiheit nehmen, sich auszuklinken, zog Phula ihn am Kimono und sprach leise: "Bleib bitte da und hör sie fertig an."
Kurz tauschte Bruder und Schwester Blicke aus, ehe sich der Ältere der beiden räusperte, entschuldigte, und sich wieder dem Thema widmete.
Erst dann fuhr die Kriegerin der Raksa fort: "Ich darf nun weitermachen? Gut, denn es ist nun so, dass die Krankheit, die eure Eltern, sprich meine Tante und meinen Onkel befallen hat, nun auch meine Eltern betrifft. Eure Tante Cahuda und euer Onkel Kopam befinden sich in Krankenpflege..."
Betroffenheit legte sich über die Gemeinschaft und leise sprachen die Beteiligten ihre Beteuerungen aus.
"Gibt es eigentlich auch Opfer, die nicht zu unserer Familie gehören?", fragte Palam plötzlich aus heiterem Himmel.
Die beunruhigende Antwort der Kriegerin lautete allerdings: "Nein."
"Was soll das jetzt heißen?", fragte Cangal, der damit verstanden hatte, was Sache war, es jedoch nicht glauben wollte.
Himmata Meta straffte die Schultern und erklärte: "Wir gehen inzwischen davon aus, dass es sich um eine von Menschenhand erzeugte Krankheit handelt, die aktuell gegen unsere Familie gerichtet ist. Das heißt, ihr könntet, genauso wie ich, die nächsten Opfer sein. General Napon, Oberhaupt der Raksa, bittet euch daher, euch dem Schutz unseres Ordens anzuvertrauen, bis die Angelegenheit geklärt ist."
"Wir sind hier aber sicher. Keine Seele würde es wagen, uns hier in Kapua Hiero Leid anzutun.", sprach sich Listya gegen die bitte aus.
Ihre Brüder stimmten ihr fast sofort zu und redete wie wild durcheinander, denn die Kriegerin der Raksa verstand die Reaktion so überhaupt nicht.
Nur Phula äußerte sich gar nicht dazu und verhielt sich still.

Ein paar Minuten ging das noch so, dann erhob Khotso Naitarama seine Stimme und rief: "Es ist genug der Debatte! Kriegerin Meta, belassen Sie es dabei. Wir haben nur eine einzige Meinung noch nicht gehört. Lassen Sie auch Ihre jüngste Cousine zu Wort kommen."
Damit richteten sich alle Augen auf Phula.
"Du stehst hinter der Meinung deiner Geschwister, oder?", fragte Himmata Meta sofort, nicht daran zweifelnd.
"Natürlich tut sie...", begann Cangal für sie zu sprechen, doch Phula fuhr fort: "Nein. Ich teile die Meinung meiner Brüder und Schwestern nicht. Aber ich will mich auch nicht in den Schutz des Ordens begeben. Lass mich dabei Helfen, herauszufinden, welcher Unmensch anderen Leuten das Leben nimmt. Ich will wissen, wer unserer Familie das angetan hat!"
"Aber liebste Schwester, lass doch...", versuchte Palam seine Schwester dazu zu bewegen, es sich nochmal zu überlegen.
Die junge Priesterin schüttelte aber den Kopf und sprach ihren Ordensführer an: "Hohepriester Naitarama, lasst Ihr mich ziehen, um mit meiner Cousine los zu ziehen?"
Der ältere Mann senkte den Kopf und sah seinen Schützling dann in die Augen: "Geh, wohin du es für nötig hältst. Du verfügst über alle Freiheiten dieser Welt, Priesterin Phula. Nutze sie, um Gutes zu tun."
"Was meinst du übrigens mit helfen? Es ist nicht vorgesehen, dass....", wandte nun auch die Kriegerin ein, wurde aber genauso vom Starrsinn ihrer Cousine überrumpelt.
"Wenn du mich nicht helfen lässt, bleibe ich hier.", argumentierte die Jüngste aus dem Familienclan und entlockte der Raksa und dem Hohepriester ein lächeln.
"Dann soll es so sein. Ich kann dir aber nicht versprechen, dass General Napon davon begeistert sein wird.", seufzte sie dann aber doch.
Khotso Naitarama beschwichtigte: "Ich denke nicht, dass dies ein großes Problem sein wird. Mein Amtskollege wird keine Einwände haben. Überlasst dies nur mir."
Phula neigte dankbar den Kopf und sprach leise: "Ich danke Euch für Eure Unterstützung, Hohepriester Naitarama."
Mit diesen Worten war die Sache beschlossen.
Alle Meinungen waren ausgesprochen worden, alle Entscheidungen wurden gefällt.
Die jüngste der Kamshis würde ihre Cousine begleiten, um mit ihr hinter den Tod ihrer Eltern und deren Mörder zu kommen.
Mit ihrer Weihe zur Priesterin begann damit für sie tatsächlich ein ganz neuer Lebensabschnitt.
So hatte sie sich das nun wirklich nicht gedacht.

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